Unser Alltag wird oft bestimmt von Hektik, Zeitnot, Unruhe. Für meinen Glauben, für Gott, gibt es da kaum Zeit. Beim Pilgern durfte ich erleben, wie wichtig jedoch Stille für spirituelle Erfahrungen ist, vor allem die Stille in mir.

Anregende und lautstarke Diskussionen sind für den Glauben wichtig, natürlich auch Predigten und Vorträge, aber genauso eben auch ganz einfach Stille.  Wenn etwas laut gesagt wird, ist es nicht zu überhören und ist oft beeindruckend, aber das Gesagte erreicht so nicht unbedingt das Herz. Es gibt in der Bibel eine wunderbare Erzählung von einer Gotteserfahrung des Elia. Er hat Gott im Donner und im Sturm erwartet, doch Elia hört „ein Geräusch schwebenden Schweigens“,  und da spricht Gott zu ihm (1. Buch der Könige, Kapitel 19). Die Erfahrung des Elia macht deutlich: Gott will nicht immer nur beeindrucken (auch solche biblischen Erzählungen gibt es natürlich), sondern verstanden und empfangen werden. Das ist paradox: Gott ist still und spricht dennoch. Und nur in der Stille kann das Wort Gottes  die verborgensten Winkel unseres Herzens erreichen.

Martin Luther drückt es so aus: „Gleichwie die Sonne in einem stillen Wasser gut zu sehen ist und es kräftig erwärmt, kann sie in einem bewegten, rauschenden Wasser nicht deutlich gesehen werden. Darum, willst du auch erleuchtet und warm werden durch das Evangelium, so gehe hin, wo du still sein und das Bild dir tief ins Herz fassen kannst, da wirst du finden Wunder über Wunder.“ Stille aber ist uns fremd, Stille will geübt sein. Und so eine Übung sind die Angebote mit dem Titel „Zeit für Gehetzte, Suchende und Sehnsuchtsvolle“.

Unter diesem Untertitel haben meine Kollegin Carina Böttcher und ich im Herbst 2020 Treffen organisiert, in denen wir gemeinsam mit den Teilnehmenden verschiedene Meditationsformen ausprobiert und uns darüber ausgetauscht haben. Wir haben eingeladen ins Land der Ruhe, um Stille zu üben.

„Stille aushalten? Darin bin ich gar nicht gut. Sofort kribbelt die Nase, juckt die Stirn, die Knie tun weh. Meditation? Fällt mir schwer. Meine Gedanken sind hier und da und überall, Konzentration sieht anders aus.

Aber da ist trotzdem so eine Sehnsucht nach Ruhe. Ich merke, wie gut es mir tut, wenn mir einmal ansatzweise Stille gelingt, z.B. beim Yoga, beim Pilgern oder in Taizé-Gottesdiensten.“

So in etwa klang es, als wir Pastorinnen uns in einem ersten Gespräch über Meditation, Stille und Spiritualität ausgetauscht haben.

Geht es dir auch so? Hetzt du auch manchmal einfach nur durch dein Leben und hast eine Sehnsucht in dir, ohne ganz klar zu wissen, wonach eigentlich?

Ich bin sicher, dass wir im Herbst 2021 auch wieder alle Gehetzten, Suchenden und Sehnsuchtsvollen ins Land der Ruhe einladen werden. Achte auf unsere Ankündigungen – am besten über die APP.